Verfasst von: Stefan Schneider | 21. August 2009

Kraftwerke an der Grazer Mur

Die Pläne ein Wasserkraftwerk in Graz in die Mur zu stellen, lassen die Wellen hochgehen. Wir Grüne sprechen uns gegen diese Pläne aus. Ein paar Punkte dazu:

Naturschutz

Es ist richtig, dass Wasserkraft besser ist als Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke. Trotzdem sind auch Wasserkraftwerke schwere Eingriffe in die Natur. In Graz ist besonders der Huchen durch die zunehmende Verbauung der Mur schwer gefährdet, auch die Wasserqualität der Mur würde schwer leiden.

Energie ist wichtig – wir müssen sicherstellen, dass genügend Energie vorhanden ist. Eingriffe in Natur und Landschaft sind für uns aber nur dann erlaubt, wenn es kein sanfteres Mittel gibt die Energiefragen zu lösen.

Stadtbild

Es wird viel versprochen, gehalten wird davon wenig werden. Die Verbesserungen des Stadtbildes werden nicht eintreten. Im Gegenteil, momentan ist zweifelhaft, ob die Murpromenaden erhalten bleiben können. Der Puchsteg kommt weg und ob die Berha-von-Suttner-Brücke nicht zu tief für einen Stausee liegt ist auch noch völlig offen. Für die angekündigten Freizeiträume ist wenig Platz. Die einzigen freien Flächen (in Liebenau und Puntigam) sind genau dort wo das Kraftwerk gebaut werden soll. In unmittelbarer Nähe zur Stauanlage ist Schwimmen und Boot fahren zu gefährlich. Übrigens: Schwimmen wird wegen der Wasserqualität ohnehin nicht erlaubt werden können

Effizienz

Das geplante Kraftwerk soll eine Leistung von ca. 16 Megawatt erbringen. Das ist wenig. Die Investitionskosten rechnen sich nicht! Die Investitionskosten sind höher als der Ertrag. Gerade im Winter wenn Energie teurer verkauft werden könnte, hat die Mur wenig Wasser. Zu bedenken ist ja auch, dass der Mühlgang aus der Mur ausgeleitet wird – der muss immer gleich stark befüllt werden, in der Mur bleibt der Rest inkl. aller Schwankungen.

Den 16 MW stehen etwa die 800 MW Leistung des Gaskraftwerkes in Mellach gegenüber. Dort wird mind. das Zehnfache der Energie eines Murkraftwerkes quasi als Abfall einfach in die Luft und als Abwärme in Wasser gepustet. Eine verpflichtende Energieauskopplung – d.h. die effiziente Nutzung dieses „Abfalls“ als Fernwärme etc. – wurde vom Land den KraftwerksbauerInnen in Mellach nicht vorgeschrieben. Soviel zum Thema Energieeffizienz!

Energiepolitik

Die steirische Energiepolitik wird nicht mehr wirklich von den PolitikerInnen, sondern von den Energieversorgungsunternehmen (ESTAG etc.) gemacht. Und die folgen natürlich einer rein wirtschaftlichen Logik (mehr Umsatz …). Deshalb ist für sie der Bau immer neuer Kraftwerke logisch. Dazu kommt interessanterweise eine eigentlich unwirtschaftliche „Panik“ der Energieunternehmen. Sie wollen ihre recht hohen Gewinne investieren, kosten es was es wolle, bevor die Politik sie ihnen wegnimmt. Daher die momentane Bauwut.

Klug, effizient und ökologisch wäre es hingegen, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Das wäre die Aufgabe der Politik, in Graz kann durch einen Mix an geeigneten, nicht einmal besonders spektakulären Maßnahmen bis zu ein Fünftel weniger Energie verbraucht werden.

Im Koalitionsvertrag zwischen VP und Grünen in Graz steht übrigens kein Sterbenswörchen von diesem Kraftwerk. Stattdessen ist darin die Rede vom „Einsparkraftwerk“ also von Maßnahmen zur effizienteren Energieverwendung. Die Idee stammt von unserer grünen Energieexpertin Andrea Pavlovec-Meixner.

Investitionen in so ein Einsparkraftwerk sollten auf der Tagesordnung stehen – sie sind ökologischer und schaffen (z.B. Wärmedämmung) viel mehr Jobs als ein einmaliger Kraftwerksbau.

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